Neapolitanischer Pizzateig – die komplette Anleitung

Aktualisiert Juni 2026 · Lesezeit ca. 7 Min

Eine echte neapolitanische Pizza erkennt man sofort: hauchdünner, weicher Boden in der Mitte, ein hoch aufgegangener, luftig-gefleckter Rand (der Cornicione) und diese typischen dunklen Blasen, die nur entstehen, wenn der Teig in Sekunden bei extremer Hitze gart. Die Tradition ist streng – die Associazione Verace Pizza Napoletana (AVPN) hat genau festgelegt, was eine „Pizza Napoletana" ausmacht. Das Beste daran: Es braucht nur vier Zutaten und etwas Geduld.

Die vier Zutaten – mehr nicht

Neapolitanischer Teig kommt mit genau vier Dingen aus: Mehl, Wasser, Salz und Hefe. Kein Öl, kein Zucker, keine Milch. Das ist kein Dogma, sondern Physik – Öl und Zucker würden den Teig bei den enormen Temperaturen zu schnell bräunen und den Charakter verfälschen.

Beim Mehl führt fast kein Weg an Tipo 00 vorbei, idealerweise mit höherem Proteingehalt (rund 12–13 %) und mittlerer bis hoher Triebkraft (W 260–320). Das feine Mahlbild und das starke Klebergerüst halten die lange Gare aus und geben den dehnbaren, elastischen Teig.

Mengen rechnet man in der Backstube grundsätzlich in Bäckerprozent: Das Mehl ist immer 100 %, alle anderen Zutaten werden relativ dazu angegeben. So bleibt das Rezept skalierbar – egal ob du vier oder vierzig Pizzen machst.

Typische Rezeptur in Bäckerprozent

Ein konkretes Beispiel für 4 Teiglinge à 250 g (also 1.000 g Teig), gerechnet bei 62 % Hydration: rund 610 g Mehl, 378 g Wasser, 17 g Salz und ca. 1 g Frischhefe. Die exakten Mengen für deine Wunsch-Stückzahl, Hydration und Gehzeit liefert dir der Pizzateig-Rechner auf den Punkt.

Schritt für Schritt

1. Mischen & Autolyse

Löse zuerst das Salz im Wasser auf, gib dann nach und nach das Mehl dazu, bis ein grober Teig entsteht. Eine kurze Autolyse – 20–30 Minuten Ruhe vor dem eigentlichen Kneten – lässt das Mehl voll quellen und die Kleberbildung von allein anlaufen. Das spart Knetarbeit. Die Hefe kommt erst danach dazu, damit sie nicht direkt mit dem Salz in Kontakt kommt.

2. Kneten

Jetzt wird das Glutengerüst aufgebaut. Knete, bis der Teig glatt, geschmeidig und nicht mehr klebrig ist – der Fenstertest zeigt es: Ein kleines Stück lässt sich dünn auseinanderziehen, ohne zu reißen. Von Hand sind das gut 10–15 Minuten.

3. Stockgare

Lass den ganzen Teigbatzen am Stück ruhen (die Stockgare). Hier entwickelt sich der Großteil des Aromas, während die Hefe arbeitet und das Glutengerüst sich entspannt.

4. Teiglinge formen (Palline)

Teile den Teig und forme straffe, runde Kugeln – die Palline. Eine glatte, gut geschlossene Oberfläche sorgt dafür, dass die Gärgase gehalten werden und der Teigling später schön rund aufgeht.

5. Stückgare

Die geformten Kugeln gehen abgedeckt in der Stückgare nochmals auf. Sie sind reif, wenn sie merklich an Volumen gewonnen haben, weich und entspannt sind und sich auf einen leichten Fingerdruck nur langsam zurückbilden.

Gehzeit, Temperatur & Reife

Der größte Geschmacks-Hebel ist die Zeit. Eine lange, kühle Gare – etwa 24 bis 48 Stunden im Kühlschrank bei 4–6 °C – baut deutlich mehr Aroma auf und macht den Teig bekömmlicher, weil die Enzyme die Stärke und das Klebereiweiß weiter aufschließen.

Die Hefemenge musst du immer an Zeit und Temperatur koppeln: Je länger und je wärmer der Teig steht, desto weniger Hefe brauchst du. Eine Gare über Nacht bei Zimmertemperatur verlangt deutlich weniger Hefe als ein Teig, der in vier Stunden fertig sein soll.

Beobachte den Teig, nicht die Uhr. Stunden-Angaben sind nur Richtwerte – entscheidend sind Volumen, Struktur und Geruch. Küchen sind unterschiedlich warm, und genau das verschiebt jede Zeitangabe.

Formen & Backen

Der Teigling wird von Hand ausgebreitet, niemals mit dem Nudelholz. Drücke die Luft von der Mitte sanft nach außen in den Rand – so bleibt im Cornicione das Gas erhalten und er geht im Ofen hoch auf. Die Mitte bleibt dünn, ohne durchzureißen.

Entscheidend ist die Hitze. Im Holzofen backt eine Pizza Napoletana bei rund 430–480 °C in nur 60–90 Sekunden. Im Haushaltsofen kommst du da nicht hin – heize deshalb auf Maximum (250–300 °C) und nutze unbedingt einen vorgeheizten Pizzastein oder, noch besser, eine Stahlplatte. Der Stahl gibt die gespeicherte Hitze schlagartig an den Boden ab und sorgt für den schnellen Trieb. Lass Stein oder Stahl mindestens 45–60 Minuten auf höchster Stufe durchheizen.

Häufige Stolpersteine

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