65%

Pizzateig-Hydration richtig wählen

Aktualisiert Juni 2026 · Lesezeit ca. 6 Min

Die Hydration ist der Wasseranteil deines Pizzateigs, angegeben in Bäckerprozent – also immer relativ zur Mehlmenge. Sie ist die wichtigste Stellschraube überhaupt: Sie entscheidet, ob deine Krume offen und luftig oder dicht und knusprig wird, und wie leicht oder klebrig sich der Teig verarbeiten lässt.

Was Hydration bedeutet

In der Bäckerei wird alles in Prozent zur Mehlmenge gerechnet – das Mehl ist immer 100 %. Wenn du 1000 g Mehl mit 650 g Wasser verknetest, hast du eine Hydration von 65 % (650 ÷ 1000 × 100). Bei 1500 g Mehl und gewünschten 70 % brauchst du entsprechend 1050 g Wasser.

Der Vorteil der Bäckerprozent: Das Rezept lässt sich beliebig hoch- und runterskalieren, ohne dass sich das Verhältnis ändert. Du kannst zwei Rezepte direkt vergleichen, egal ob für 4 oder 40 Teiglinge – die Prozentzahl bleibt aussagekräftig. Bei strenger Rechnung zählen alle Flüssigkeiten (auch das Wasser im Vorteig oder in Öl/Milch) zur Hydration; für den Hausgebrauch reicht meist die reine Wassermenge.

Richtwerte je Pizzastil

Jeder Stil hat sein typisches Hydrations-Fenster. Die folgenden Werte sind bewährte Ausgangspunkte:

StilHydrationCharakter
Neapolitanisch58–65 %dünner Boden, luftiger Rand (Cornicione), kurze Backzeit bei hoher Hitze
New York Style60–65 %faltbar, leicht knusprig, oft mit etwas Öl
Pizza in Teglia / Contemporanea70–85 %hohe, wattige Krume, große Poren
Focaccia80 %+saftig, grobporig, sehr offen

Für den Einstieg ist die neapolitanische Range ideal: 60–62 % sind gut zu handhaben und liefern bereits ein sehr gutes Ergebnis.

Wie Hydration Teig und Ergebnis verändert

Mehr Wasser bedeutet eine offenere, luftigere Krume mit größeren, unregelmäßigen Poren – der typische Look einer modernen Pizza oder Focaccia. Der Preis dafür: Der Teig wird weicher, klebriger und schwerer zu formen, er hält schlechter die Form und braucht mehr Erfahrung beim Aufziehen.

Weniger Wasser ergibt einen festeren, kompakteren Teig, der sich leicht kneten, ausrollen und transportieren lässt. Die Krume wird dichter und knuspriger – bei niedriger Hydration kann sie aber auch trocken und brotig wirken. Wer einen krachenden, dünnen Boden mag, fährt mit 58–60 % gut; wer Watte-Rand und große Poren will, geht höher.

Mehl und Wasseraufnahme

Nicht jedes Mehl verträgt jede Hydration. Entscheidend ist der Proteingehalt bzw. der W-Wert, der die Backstärke des Mehls beschreibt. Je mehr Gluten gebildet werden kann, desto mehr Wasser bindet der Teig und desto stabiler bleibt er.

Faustregel: Erst die Mehlstärke bestimmen, dann die Hydration darauf abstimmen – nicht umgekehrt.

Tipps für hohe Hydration

Teige über 70 % sind kein Hexenwerk, brauchen aber andere Techniken als das klassische Durchkneten:

Häufige Fehler

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